Rede zu Frauenhäusern, Housing Action Day

Liebe Freund*innen,

die vielen starken Redebeiträge heute haben gezeigt, dass beim Thema Mieten und Wohnen viele Themen zusammenlaufen. Wie wir wohnen, verweist direkt auf größere gesellschaftliche Problemlagen. Ich möchte heute einen feministischen Blick auf Wohnungsnot werfen.

Häufig ist schon über zunehmende häusliche Gewalt im Lockdown geschrieben worden. Die Zahlen dazu erspare ich euch, ihr kennt sie. Ich erzähle euch auch nichts neues, wenn ich sage, dass patriarchale Gewalt kein aktuelles Krisenphänomen ist. Seit Jahren beklagen autonome Frauenhäuser, dass sie kaum oder keinen Platz mehr haben, um Frauen in einer Notlage einen Schutzraum zu gewähren. Das liegt natürlich zum einen am fehlenden Platzangebot der Häuser selbst, zum anderen aber auch schlicht daran, dass es für viele Frauen nicht einfach ist, den Schutzraum wieder zu verlassen und in eine neue Wohnung zu ziehen. In einem angespannten Wohnungsmarkt und noch dazu in der Pandemie ist es schwieriger denn je geworden, ein gewalttätiges Wohnumfeld überhaupt erst zu verlassen. Und so kommt es erst zu Eskalationen.

Wenn die Mieten in unzähligen Städten ins Astronomische steigen, kann man sich nicht so einfach ein neues Leben in Sicherheit aufbauen. Frauen und häufig auch Kinder müssen monatelang in der Übergangslösung ausharren, bevor sie den ersten Besichtigungstermin bekommen. Als in dieser Situation Alleinerziehende sind sie nicht selten in einer prekären finanziellen Situation, isoliert von ihrem Umfeld – und könnten dann auch noch Absagen kassieren, wenn sie nicht dem mustergültigen Ideal der Vermieter*innen entsprechen. Migrantisierte Frauen sind noch dazu von Mehrfachdiskriminierungen betroffen. Wie soll man das durchhalten, wenn man zugleich noch von Gewalterfahrungen traumatisiert ist?

Und währenddessen stehen Häuser aus Spekulationsinteressen leer. Schutzräume und Zufluchtsorte für Frauen mit Gewalterfahrung fehlen auch deshalb, weil sie nicht rentabel sind. Das Recht auf Stadt für alle bedeutet auch, dass alle Geschlechter Raum einnehmen können. Dazu gehören auch Schutzräume über bestehende Frauenhäuser hinaus: Gegenwärtig ist aber der Großteil dieser Strukturen für trans und nichtbinäre Personen sowie Menschen mit Behinderung schlicht nicht ausgelegt oder überhaupt zugänglich. Wir brauchen einen Gewaltschutz, der bedingungslos, inklusiv und vor allem sicher finanziert ist. Wir brauchen aber auch neue Wohnprojekte jenseits der Norm der Kleinfamilie, losgelöst von Profitinteressen. So schaffen wir ein solidarisches Zusammenleben und Freiräume für alle Geschlechter.

Stattdessen sehen wir aber heute, dass neuer Wohnraum an den Bedarfen der Menschen vorbei entsteht. Im Ergebnis einer Verbindung von Kapitalismus und Patriarchat können nicht die Menschen gewinnen, die hier leben. Wir sehen aber auch, dass immer mehr Menschen das nicht mehr hinnehmen wollen. Vielen Dank

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