Unsere Forderungen

“Rückzug ins Private” war das Motto des Jahres 2020. Unsere Wohnräume sind wichtiger denn je, doch sind sie auch bezahlbar? Trotz Pandemie, Kurzarbeit und weniger Berufschancen steigen die Mieten durch die unsolidarische Marktwirtschaft und machen somit die eigenen vier Wände nicht selbstverständlich.


In Marburg gibt es nicht ausreichend bezahlbaren Wohnraum, obwohl das Wohnen ein Menschenrecht ist. Vor dem Hintergrund der Kommunalwahlen am 14.03.2021 und des “Housing Action Day” am 27.03.2021 haben sich verschiedene Personen, Organisationen und Initiativen erneut  zu dem Marburger Bündnis “Mietenwahnsinn Marburg” zusammengeschlossen, um sich gemeinsam zu wehren.


Im letzten Jahr konnten die europaweiten Demonstrationen zum Aktionstag nicht stattfinden. Dieses Jahr planen wir daher Corona-konforme Kampagnen und Aktionen, um auf die prekäre Wohnsituation in Marburg aufmerksam zu machen.
Termine im Überblick findet ihr dazu unten im Kalender


Wohnungsbau, Bodenpolitik & Mieten

Konkret fordern wir einen Privatisierungsstopp und die Rekommunalisierung von Wohnraum. Boden- und Wohnungsbestände müssen angekauft und dem privaten, profitorientierten Markt und der Spekulation entzogen werden. Leerstehende Wohnräume sollen daher ebenso an die Stadt zurückgeführt werden. Die Stadtentwicklungsgesellschaft (SEG) betreibt im Sinne der Stadtentwicklung Bodenbevorratung. Ziel ist dabei die Erhaltung fairer Wohn- und Arbeitsbedingungen sowie die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum.

In Planung ist ein klimagerechtes Wohngebiet am Hasenkopf (Bereich Stadtwald) mit bezahlbarem Wohnraum. Die Grundstücke sollen von der Stadt durch die SEG aufgekauft werden. Dieses Konzept befürworten wir, dennoch werden wir dessen Umsetzung hinsichtlich genereller Transparenz, Einbezug der Bürger*innen und tatsächlicher Klimafreundlichkeit kritisch verfolgen und diskutieren.

Um bezahlbaren Wohnraum auch im Stadtgebiet zu gewährleisten fordern wir die sofortige Einführung eines Marburger Mietendeckels, nach Berliner Vorbild.
Auch ein Mietspiegel, welcher über die Höhe üblicher Ortsmieten informiert, soll im Ballungsgebiet Marburg für mehr Transparenz und moderate Preise auf dem Wohnungsmarkt sorgen.

Wir fordern zudem einen Leerstands-Kataster, also eine zentrale Erfassung von Leerständen, welche bisher von privaten Eigentümer*innen nicht verpflichtend ist. Dieser Vorstoß aber, welchen die Linken-Fraktion bereits im Stadtparlament forderte, wurde bisher abgelehnt. Wohnungen, die aus spekulativen Gründen nicht vermietet werden, sind nicht hinnehmbar. 

Um unerwünschte Veränderungen der Einwohnerstruktur in Stadtvierteln zu vermeiden und folglich Menschen mit geringen finanziellen Mitteln vor Verdrängung zu schützen, brauchen wir eine Milieuschutzsatzung. In einem Milieuschutzgebiet sind für alle baulichen Maßnahmen Genehmigungen nötig. 
Durch den Genehmigungsvorbehalt vom 1. Juni. 2020 ist es in 31 Gemeinden Hessens, u.a. in Marburg möglich, dass Städte den Wandel einer Mietwohnung in eine Eigentumswohnung zustimmungspflichtig machen, sofern die Mietwohnung in einem Gebiet der Milieuschutzsatzung liegt. Dadurch lohnt sich eine leerstehende Mietwohnung nicht mehr und einer Gentrifizierung kann damit in kleinem Maß entgegengewirkt werden, denn diese gibt es nicht nur in Großstädten. Anzuführen sei hier die Kollektivkneipe “Havanna8”, welche aus der Oberstadt verdrängt wurde. Freie linke und studentische Räume müssen durch die Politik geschaffen und gefördert, nicht durch private Investoren zerstört werden. 

Wir unterstützen die Idee eines ‘Hauses der Nachhaltigkeit’, nach Vorbild des Netzwerkbüros, welches künftig Raum für sozial und ökologisch motivierte Gruppen bieten soll. Neben diesen freien und öffentlich zugänglichen Räumen werden zudem auch Gemeinschaftsräume für Kinder und Jugendliche benötigt. Wir fordern daher auch besonders die Förderung und den Ausbau eines autonomen Zentrums in Marburg.

Wir verlangen Platz und Anerkennung für alternative Räume und alternatives Wohnen. Anzuführen sei hier die alternative Wohnform der Wagenplatz-Gemeinschaft GleisX, welche sich durch die Stadt eine langfristige Perspektive erhofft: GleisX muss bleiben! 

Trotz der Agenda “Nachhaltige Stadtentwicklung“ wird die Sozialwohnungsquote, die es in Marburg bereits seit 2016 gibt, zu oft umgangen. Diese Quotenregelung soll den Bau sozialer Wohnungen sicherstellen und Investor*innen in die Pflicht nehmen. Doch dies ist beim Marburger Wohnungsbau keine Realität. Das Wohnungsbauprojekt in der Marburger Nordstadt zeigt deutlich, dass durch die richtigen Druckmittel wie “Platz für eine Kita”, die Sozialwohnungsquote zu einfach durch Deals umgangen werden kann.

Des Weiteren braucht es in der “Studistadt Marburg” bezahlbaren Wohnraum für Studierende und Auszubildende. Dafür müssen mehr Wohnheimplätze geschaffen werden. 

Außerdem dürfen die Kosten für die Sanierung von Häusern und Wohnungen nicht an den Mieter*innen hängen bleiben. 

Es muss eine rechtliche Grundlage geschaffen werden, welche den Mieter*innen-Beirat stärkt, für mehr Unabhängigkeit sorgt und für mehr Mitspracherecht sorgen soll. Noch erkennt die Wohnungsgesellschaft GWH den Mieter*innen-Beirat nicht an, daran muss sich etwas ändern.
Auch Eigenbedarfskündigungen müssen stark eingeschränkt und damit der Mieter*innenschutz gestärkt werden!

  • FÜR EINE SOZIALE UND DEMOKRATISCHE STADTPLANUNG!

Struktureller Diskriminierung auf dem Wohnungsmarkt entgegenwirken

In einer repräsentativen Umfrage der Antidiskriminierungsstelle des Bundes wurde angeführt, dass es in Deutschland ein “Problem mit rassistischer Diskriminierung auf dem Wohnungsmarkt gibt”. Menschen mit Migrationshintergrund leben durchschnittlich zu höheren Preisen auf geringerer Wohnfläche als Menschen ohne und erfahren sehr häufig schon im Bewerbungsverfahren starken Ausschluss aus dem Wohnungsmarkt.
Wir sprechen uns deutlich gegen jegliche Form von Diskriminierung aus, denn auch das Alter, die Situation Alleinerziehender, eine Behinderung und das Geschlecht können schnell zum Ausschlusskriterium werden. 
Durch barrierefreie Gestaltung des Wohnumfeldes und der Wohnung selber soll allen Menschen größtmöglicher Zugang verschafft werden. Neben der räumlichen Zugänglichkeit sollen auch Lösungswege für eine soziale Barrierefreiheit konzipiert werden.

Menschenwürdiges Wohnen wird desweiteren nicht für all jene generiert, die von Sozialleistungen und Hartz4 leben, denn das angedachte Existenzminimum reicht bei angespannten Wohnungsmärkten definitiv nicht aus. Ein negativer SCHUFA-Eintrag führt ebenso zu erheblichen Hindernissen.   

Auch alternatives Wohnen sollte jedem Menschen möglich gemacht werden, unabhängig von Herkunft, Alter, Geschlecht, Behinderung oder Bonität.

Zusätzlich bedarf es einer dezentralen Unterbringung geflüchteter Menschen in Wohnungen und WGs statt in menschenunwürdigen Sammelunterkünften. Gerade am Beispiel der Erstaufnahmeeinrichtung in Neustadt konnte man sehen, dass Sicherheitsabstände und hygienische Maßnahmen nicht eingehalten werden konnten, was ein hohes Gesundheitsrisiko für die Bewohner*innen zur Folge hat. Den Ausschluss aus der Gesellschaft und die Massenisolation durch die Unterbringung in Sammelunterkünften lehnen wir ab!

  • ZUGANG ZU WOHNRAUM FÜR ALLE!

                              

Pandemiebedingte Forderungen

  1. Aussetzung von coronabedingten Kündigungen durch Mietschulden
  2. Keine Mietschulden während der Pandemie

Wir fordern Wohnraum für alle!

Englisch

Almost every person gets to feel it: there are too few affordable apartments in Marburg. Houses are sold to private companies, rents are regularly increased or new housing is not affordable.

To change this, we – different people, groups and associations – join together to form an alliance. We demand: No sale to private companies, new housing projects, no discrimination, Affordable housing for all!

Do you want to get to know us, are you interested in the topic or do you have ideas for actions? Feel free to contact us, everyone is invited!

Französisch

Presque tout le monde ressent le manque d’appartements abordables à Marburg. Les logements sont vendus à des entreprises privées, les loyers sont régulièrement augmentés et les nouvelles constructions de logements ne sont pas abordables.

Pour changer cela, nous – des personnes diverses, des groupes et des associations – nous réunissons pour former une alliance. Nous exigeons : Arrêtez de vendre à des entreprises privées, construisez de nouveaux logements, ne tolérez aucune forme de discrimination et assurez des logements abordables pour tous !

Si tu veux faire notre connaissance, le sujet t’intéresse ou tu as des idées pour des actions, n’hésite pas à nous contacter. Tout le monde est invité.e!

Spanisch

Casi tod*s consiguen darse cuenta: hay demasiadas pocas viviendas a precio asequible en Marburg. Las casas son vendidas a empresas privadas, los alquileres son elevados frecuentemente o los precios de los pisos nuevos son inasequibles. Para cambiar esto, nos estamos organizando: varias personas, grupos y asociaciones, junt*s en una Unión.

Exigimos: ¡Ninguna venta más a empresas privada! ¡Nuevos proyectos de viviendas! ¡Ninguna discriminación! ¡Vivienda con precios justos para tod*s!

¿Quieres conocernos? ¿Tienes interés en el tema o en ideas para acciones? Ponte en contacto con nosotr*s. ¡Tod*s están invitad*s a participar!

Polnisch

Prawie każdy człowiek to odczuwa: jest zbyt mało mieszkań w przystępnych cenach w Marburgu. Domy są sprzedawane prywatnym firmom, czynsze są regularnie podnoszone bądź nowo wybudowane mieszkania są zbyt drogie.

Aby to zmienić, my – różni ludzie, grupy i stowarzyszenia – łączymy się w sojusz. Żądamy: zakazu sprzedaży mieszkań przedsiębiorstwom prywatnym, nowych projektów mieszkaniowych, braku dyskryminacji oraz mieszkań w przystępnych cenach dla wszystkich!

Chcesz nas poznać, interesuje Cię ten temat lub masz pomysły na happeningi?
Zapraszamy do kontaktu z nami, każdy jest mile widziany!

Russisch

Практически каждый человек с этим знаком:

В Марбурге квартир с доступной оплатой слишком мало. Жилплощадь продается частникам, квартплата регулярно повышается, и новостройки с финансовой стороны совершенно недоступны.

Чтобы изменить ситуацию, мы собираем отдельные группы, сообщества, и индивидуальных людей в союз.

Мы требуем:

>Отказ от приватизации

>Отказ от дискриминации

>Постройку новых жилищных проектов

>Квартплату, доступную для всех

Вы хотите с нами познакомиться, вас интересуют подобные темы, или у вас есть идеи для последующих мероприятий?Обращайтесь к нам, не стесняйтесь, приглашаем всех!

Türkisch

Neredeyse herkesin basina gelmistir: Marburg‘da emlak fiyatlari tavan yapmis. Bunlari ödemek ise gitgide zorlasiyor. Evler özel sirketlere satiliyor, kiralara sık sık zam geliyor.

Bu durumu degistirmek icin bizler toplum olarak birlesiyoruz.
Isteklerimiz: Özel sirketlere emlak satisi yasaklansin, yeni emlak projeleri harekete gecirilsin, irkcilik veya dışlanma olmasın, emlak fiyatları uygun ve ödemesi mümkün olsun!

Eğer fikirlerinle katkıda bulunmak veya bize katılmak istersen, bizimle iletişime geçebilirsiniz. Herkese davetlidir!

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